13 Aug Die Hoffung stirbt zuletzt - Nochmals muss Speedskating vier Jahre auf olympische Zulassung hoffen

geschrieben von Hanspeter Detmer Freigegeben in News

olympiaDer Traum aller Inline-Speedskater, unser ebenso rasanter, attraktiver wie auch ästhetischer Sport könne in sieben Jahren erstmals zum offiziellen Programm der Olympischen Sommerspiele gehören, ist zu Ende. Das Exekutiv-Komitee des Internationalen Olympischen Komitees hat heute (13. August 2009) in Berlin entschieden, dass nur die beiden Sportarten Golf und Rugby „seven-a-side“ der Vollversammlung des IOC Anfang Oktober in Kopenhagen zur Aufnahme ins olympische Programm vorgeschlagen werden. Dann ist damit zu rechnen, dass die Vollversammlung dem Vorschlag der IOC-Exekutive auch widerspruchslos folgen wird.

Damit wird im Jahre 2016 das Programm der Olympischen Sommerspiele wieder auf 28 Sportarten aufgefüllt. Die Zahl 28 gilt als Limit. In London 2012 werden nur 26 Sporten präsentiert, nachdem Baseball und Softball gestrichen worden sind. Wo die Spiele 2016 stattfinden werden – Madrid, Chicago, Tokio oder Rio de Janeiro – wird erst auf der IOC-Vollversammlung in Kopenhagen entschieden.

Sowohl Golf als auch Rugby haben schon olympische Atmosphäre miterlebt. Beide Sportarten waren bereits sogenannte olympische Demonstrationssportarten, wenngleich das lange zurück liegt. Rugby schnupperte olympische Luft bei den Spielen 1900, 1908, 1920 und 1924, damals jedoch in der klassischen Formation mit 15 Spielen pro Team. Wenn Rugby nun offizielle olympische Sportart werden wird, dann besteht ein Team nur noch aus sieben Spielern (seven-a-side). Die sogenannte Kleinfeldvariante ist zwar in Deutschland nahezu unbekannt. In Asien und im Englisch dominierten Sprachraum dieser Welt erfreut sie sich allerdings allergrößter Popularität und lässt als Teamsport an Attraktivität nichts vermissen.

Golf war als Demonstrationssportart bereits 1900 in Paris und 1904 in St. Louis (USA) auf olympischem Terrain präsent. Über die aktuelle Popularität dieses Sports braucht man keine Worte zu verlieren. Mit Sicherheit hat die IOC-Exekutive eine sportlich korrekte Entscheidung getroffen, auch wenn sie für uns Inline-Speedskater sehr schmerzlich ist.

Immerhin war Inline-Speedskaten nun in zwei Vorausscheidungen der IOC-Programmkommission - vor vier Jahren in Singapur und nun in Berlin - in der letzten Auswahlrunde. In Singapur waren es vier Sportarten, von denen letztlich keine genommen wurde. Nun standen in Berlin sieben Sportarten zur Diskussion, von denen Golf und Rugby das olympische Los zogen.

Wir haben keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Eher sollten wir intensiver und vor allem selbstkritischer und auf keinen Fall mit Selbstverliebtheit in unseren Sport die Konkurrenzfähigkeit des Inline-Speedskatens zu anderen großen internationalen Sportarten analysieren. In diesem Zusammenhang müssen wir zunächst einmal die Organisationsstrukturen der Vereine sowie der nationalen und internationalen Verbände unter die Lupe nehmen. Dann müssen wir das Sportstättenproblem – das gilt vor allem auch für Deutschland – lösen und klare Entscheidungen treffen, wo und wie man die Jugend an unseren Wettbewerbssport heranführen kann.

Und wir müssen Wettbewerbsformen in den Vordergrund stellen, bei denen die Entscheidungsfindung unstrittig und vom Zuschauer sofort nachvollziehbar ist. An entsprechender Attraktivität mangelt es dem Inline-Speedskaten wahrlich nicht.

Schließlich gilt es, die richtigen Partner zu finden, die uns dabei helfen, dass wir bei der nächsten olympischen Programmdiskussion erneut und dann chancenreicher dabei sein werden.

Wichtig ist im Inline-Speedskating zu lernen, dass sich das IOC nur ganz, ganz selten von Himmelsstürmern beeindrucken lässt. Als Beispiel kann Badminton genannt werden. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte das Federballspiel als Freizeitsport eine ähnliche Popularität wie in den letzten zehn Jahren das Inline-Skaten. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde der Freizeit-Massensport Federball/Badminton erstmals als Demonstrationssportart zugelassen; erst 1988 in Seoul befassten sich die Olympier erneut mit Badminton, wieder als Demonstration. Offiziell aufgenommen ins Olympische Programm wurde Badminton jedoch erst bei den Spielen 1992 in Barcelona. Der Weg in den olympischen Himmel ist lang...

© Hanspeter Detmer