10 Apr Mut muss belohnt werden!

geschrieben von Friedhelm Julius Beucher Freigegeben in News

Mutig war die Entscheidung der Verantwortlichen des SSK Kerpen und seines Skate Express, als vor vier Jahren eine ursprünglich in Hürth geplante große Speedskating-Veranstaltung quasi über Nacht abgesagt wurde. Sofort sprangen der SSK Kerpen und sein Skate Express in die Bresche. Innerhalb von nur drei Wochen bauten die Kerpener Inline-Skatern eine Veranstaltungs-Infrastruktur auf, für die andere Organisatoren mindestens drei Monate brauchen. Die Premiere 2007 hatte den strahlenden Sonnenschein verdient. Inzwischen avancierte der Kerpener „Inline Day“ zu einem der besten Inline-Speedskating-Events weit über Nordrhein-Westfalen hinaus.

Nun wagen der SSK Kerpen und sein Skate Express einen weiteren großen Schritt in die Zukunft: Im Rahmen des 4. Inline Day 2010 werden erstmals Deutsche Meistertitel vergeben – und zwar an behinderte Sportler.

Als ich davon erfuhr, schlug mein Herz höher. Aus zwei Gründen: Da ich selber Inline-Skater bin, habe ich ein inniges Verhältnis zu diesem wunderbaren Sport. Im Rahmen des Erwerbs des Deutschen Sportabzeichens habe ich auf Inline-Skates schon bei 33 Grad im Schatten die 10-km-Ausdauerprüfung bestanden.

Nun bewundere ich als Präsident des Deutschen Behinderten-Sportverbandes den Mut der Kerpener, mit einer Deutschen Meisterschaft für behinderte Sportler als Wettbewerbs-Organisatoren weiteres Neuland zu betreten. Die Kerpener sind vielen anderen Veranstaltern damit weit voraus: Sie haben bereits erkannt, dass Amputierte, Sehbehinderte oder Sportler mit intellektueller Beeinträchtigung in hohem Maße leistungsfähig sind, und dass sie bei entsprechender Akzeptanz der Behinderung letztlich problemlos nicht nur in die Sport-Gesellschaft integriert werden können. Die Kerpener Premiere einer Deutschen Inline-Speedskating-Meisterschaft über die Halbmarathon-Distanz für behinderte Sportler wird eine faszinierende und spannende Sache werden.

Der Mut der Kerpener Inline-Skater mit Jean Rindermann als dem Präsidenten des SSK Kerpen und Axel Eggert als Abteilungsleiter des Skate Express an der Spitze sollte Zukunft haben. Für alles, was die Kerpener Inline-Skater bislang aufgebaut haben, fehlt allerdings immer noch das Fundament: eine klar definierte, Sportart spezifische Sportstätte.

Mutig träumen die Kerpener Inline-Skater von ihrer Speedskating-Bahn. Nur mit einer klar definierten Sportstätte lässt sich eine zukunftsträchtige Jugendarbeit aufziehen. Sie wäre als Trainings- und Wettkampfstätte auch die Heimat für Breitensportler Leistungssportler.

Doch das Nutzungspotenzial eines Skater-Ovals ist damit noch nicht ausgeschöpft. Da der SSK Kerpen die Integration auch behinderter Sportler in den allgemeinen Sportbetrieb fortführen will, ist der Nachweis einer klar definierten, begrenzten und somit auch geschützten Sportstätte notwendig.

Konsequent haben die Kerpener Inline-Skater in den letzten vier Jahren bereits zwei Projekte realisiert. Zum Wohle des integrativen Sports sollte der Mut, auch das dritte Ziel – die Sportstätte - zu erreichen, belohnt werden.

Dem 4. Kerpener Inline-Day als dem Schritt in die richtige Richtung wünsche ich viel Erfolg.

friedhelmjuliusbeucher
Friedhelm Julius Beucher

Präsident des Deutschen Behinderten-Sportverbandes
Vorsitzender des Sportausschusses des Deutschen Bundestages von 1998 bis 2002