30 Jun Bahn-DM in Groß-Gerau - So schnell ändern sich schnelle Zeiten...

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Vor Jahresfrist hatte die NRW-Teilnehmer an den Deutschen Speedskating-Meisterschaften auf der Bahn – damals in Jüterbog – noch allen Grund zum Jubeln: Mit zwei Meistertiteln in der AK50 für Jens Kaehne (1500 Meter) und in der AK60 für Hanspeter Detmer (300 Meter Sprint) sowie drei weiteren dritten Plätzen für Detmer und auch noch drei zweiten und einen dritten Platz in der AK60 für Rosi Zilm fiel die Medaillenausbeute bei insgesamt acht Startern recht üppig aus.

Erfreulicherweise nahmen in diesem Jahr sogar zehn NRW-Sportler an der Bahn-DM in Groß-Gerau vornehmlich allerdings nur in der Masters-Klasse teil. Doch die Bilanz ist auf den ersten Blick ernüchternd. Titel waren Fehlanzeige. Immerhin wurden Julia Wies (Kölner Roll-Möpse – AK30) und Rosemarie Zilm (CST Köln – AK60/70) jeweils drei Bronze- und eine Silbermedaille umgehängt.

Doch wie so oft trügt der erste Schein. Wer in diesem Jahr an Medaillen und erst recht an einen Titel kommen wollte, musste in der Regel wesentlich bessere Leistungen erbringen als vor einem Jahr in Jüterbog. Besonders untermauert wird diese Feststellung am Beispiel des letztjährigen Titelgewinners im 1500-Meter-Rennen der AK50, Jens Kaehne. In Jüterbog erreichte der vor Jahresfrist noch für die Leverkusener Speedies gestartete Kaehne nach einer Solofahrt das Meisterziel in 2:45,507 Minuten. Jetzt in Groß-Gerau war Jens sogar sechs Sekunden schneller – und wurde unter zwölf Konkurrenten bei seiner Titelverteidigung nur noch Achter. Der neue Deutsche Meister Diemo Gorschboth aus Gera, „Aufsteiger“ aus der AK40, war in Groß-Gerau 15 Sekunden schneller als Kaehne bei seinem Vorjahressieg. So schnell ändern sich die Zeiten…

Ähnlich erging es Hanspeter Detmer in der AK60. Eine erfolgreiche Titelverteidigung im 300-m-Sprint war auch auf Grund fehlenden Spezialtrainings illusorisch. Spekuliert hatte er nach seiner Vorjahres-Bronzemedaille im 1500-m-Rennen auf einen erneuten dritten Rang. Ins Ziel kam der Kölner Roll-Mops sogar sechs Sekunden früher als vor Jahresfrist. Aber die Aufrücker aus der AK50 fuhren als AK60-Neulinge alles in Grund und Boden. Der Deutsche Meister 2009 war satte 7,5 Sekunden schneller als der Meister des Jahres 2008.

Um wie viel schneller man sich um Medaillenplatzierungen bemühen musste, wird auch am Beispiel der quantitativ leider sehr dünn besetzten AK30 der Damen deutlich. Julia Wies (Kölner Roll-Möpse), Zweite in GG im 1500-m-Rennen nach 1:51,54 Minuten, war sieben Sekunden schneller als die Zweitplatzierte 2008. Mit ihrer Zeit als Drittplatzierter von Groß-Gerau war Julia im 3000-Meter-Rennen sogar 20 Sekunden schneller als die 2008er-Siegerin.

Da, wo Zeitvergleiche zwischen der DM2008 in Jüterbog und der DM2009 in Groß-Gerau möglich sind, fallen die zum Teil drastischen Zeitverbesserungen auf. Schnell war man sich in Groß-Gerau einig: Die Runderneuerung der rechteckigen 300-Meter-Piste mit einem superschnellen Belag blieb nicht ohne Rekordfolgen. Großen Anteil an den souveränen Meisterschaftsgewinnen des Eisenachers Maik Gathermann (alle vier DM-Titel in der AK30), von Jörg Rannacher aus Großenhain (vier Titel in der AK40) und von Diemo Gorschboth (Gera – vier Titel in der AK50) hat aber auch der jeweilige Altersklassenumstieg. Die „jungen Hupfer“ haben natürlich in der nächst höheren Altersklasse Vorteile. Aber sie haben auch den Ehrgeiz der Etablierten herausgefordert, die sich in ihrem Sog in der Regel nochmals steigern konnten.

Fazit dieser Bahn-DM in Groß-Gerau aus NRW-Sicht: So lange wir in NRW das Training auf Speedskating-Bahnen mangels entsprechender Sportstätten nicht forcieren können, wird es für unsere Sportler in allen Altersklassen immer schwerer, mit den Spitzenskatern in den jeweiligen Altersklasse noch mitzuhalten. Total ernüchternd ist die traurige Tatsache, dass NRW keinen Athleten in der weiblichen bzw. männlichen Hauptklasse vorweisen konnte. Und dies gilt alles vor dem Hintergrund, dass sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass den Bahnrennen die Zukunft gehört. Vereine im Süden und auch im Osten Deutschlands reagieren bereits auf den unaufhaltsamen Trend und planen den Bau weiterer Speedskating-Bahnen.

Und was ist in NRW? Vor Ort in den Kommunen müssen es die ortsansässigen Vereine sein, die sich um die Anlage von Sportstätten kümmern müssen. Nur auf klar für Speedskaten definierten Sportstätten wird man dauerhaft eine erfolgreiche, zukunftsweisende Nachwuchsarbeit betreiben können. Über alle Widrigkeiten hat sich aus NRW nur ein Verein hinweg gesetzt – der SV Heepen Bielefeld. Wenigstens Malte Grieswelle (immerhin Vierter im 300-Meter-Massenstartrennen – Schüler A 11), sowie die Schülerinnen A10 Fabienne Kuhnle (Fünfte im Geschicklichkeitslauf und im 300-m-Rennen), Kim Uhlig und Leo Klopsteg haben in Groß-Gerau bei den Deutschen Nachwuchsbesten-Wettbewerben Bahnerfahrung gesammelt.

Die NRW-Ergebnisse bei der Bahn-DM 2009 in Groß-Gerau

AK
Name Verein 300m Einzelsprint
1000m 1500m 3000m 5000m
D 30
Julia Wies
Kölner Roll-Möpse
3 / 34,690 2 / 1:51,54 3 / 2:46,04 3 / 5:40,497 -
D 60
Rosemarie Zilm
CST Köln
3 / 44,381 3 / 2:17,90 3 / - 2 / 7:26,457 -
H 30
Christoph Röhr Kölner Roll-Möpse 9 / 30,966 -
10 / 2:32,435 10 / 5:10,102 9 / 8:33,357
H 40
Thomas Ladener
Kölner Roll-Möpse n.a.St. -
10 / 2:29,970 9 / - 11 / 8:52,289
H 40
Richard Bender
Kölner Roll-Möpse 9 / 31,703 - 13 / 2:38,191 11 / - 11 / aufgeg.
H 50 Jens Kaehne Kölner Roll-Möpse 8 / 31,961 - 10 / 2:39,048 8 / 5:33,65 7 / -
H 50 Ralf Malzkorn RSC Aachen 5 / 31,078 9 / 2:37,290 n.a.St. 11 / aufgeg.
H 60 Peter Kleiner ASV Duisburg 4 / 34,454 8 / 2:56,640 6 / 6:32,513 5 / 10:09,592
H 60 Hanspeter Detmer Kölner Roll-Möpse 6 / 34,946 7 / 2:50,869 5 / 6:10,754 6 / 10:10,800
H 60 Winfried Kriesch BoSS 05 Bochum 5 / 34,700 6 / 2:50,667 n.a.St. n.a.St.
Letzte Änderung am Dienstag, 30 Juni 2009 14:05