24 Sep Sensationell: Kein Geld, aber dafür jetzt viel Gold und Bronze

geschrieben von Hanspeter Detmer Freigegeben in News

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Was macht ein Sportverband, wenn ihm das Geld an allen Ecken und Enden fehlt? Ganz einfach: Er schickt seine besten Sportler zum Goldsammeln zur Weltmeisterschaft. Dieser Eindruck könnte entstehen, setzt man die Finanznot des Inline-Skatens in Relation zu den Triumphen bei der jüngsten Weltmeisterschaft in Haining/China. Ausgerechnet in größten Krisenzeiten feierten die Inline-Speedskater des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbands bei der Weltmeisterschaft ihre größten Erfolge, nachdem sie sich 17 Jahre lang nicht mehr bei Weltmeisterschaften in Siegerlisten eintragen konnten.

An den drei Titelgewinnen hatte die 19jährige Sabine Berg aus Gera totalen Anteil. Zunächst gewann sie das Ausscheidungsrennen über 20 000 Meter auf dem Straßenkurs (nicht zu verwechseln mit einem City-Straßenrennen; ein Straßenkurs gleicht einer ca. 400 - 500 Meter Runde, die gegen den Uhrzeigersinn gelaufen wird, die aber mindestens eine Rechtskurve beinhaltet; Runde um Runde scheidet immer die letzte Sportlerin aus; am Ende sprinten die 5/6 Besten um den Sieg).

Beim Titelgewinn Nummer zwei, im Staffelrennen über 5000 Meter, war Sabine unter drei Gleichen – nur in der perfekten Zusammenarbeit mit Mareike Thum aus Darmstadt und Jana Gegner aus Berlin konnte der Sieg realisiert werden. Dieser Erfolg kann als Sensation eingestuft werden, beweist aber auch, dass die sehr jungen deutschen Damen - Sabine und vor allem Mareike erleben erst ihre erste (Mareike) bzw. zwei (Sabine) WM in der Aktivenklasse - komplett in der Weltelite angekommen sind. Mareikes Teilhabe am Goldgewinn mit der Staffel haben wir in NRW mit besonderer Aufmerksamkeit registriert, hatte Mareike doch in der Wintersaison 2008/9 jede Gelegenheit wahrgenommen, an den angebotenen Bahnrennen in NRW teilzunehmen.

Die Krönung für Sabine Berg war dann am Schlusstag der WM der dritte Goldtriumph im Inline-Marathonrennen. Überraschend kam dieser Erfolg jedoch nicht, denn ihr außergewöhnliches Talent hatte die Tochter der Bundestrainerin Katharina Berg schon mehrmals demonstriert. Im Jahre 2008 war sie in ihrer Heimatstadt Gera erstmals Marathon-Europameisterin geworden und landete bei der Weltmeisterschaft in Gijón auf Rang zwei. In diesem Jahr verteidigte sie in Ostende ihren Europameistertitel mit Erfolg und krönte ihre Siegesserie nun mit dem WM-Triumph.

Das Glück der deutschen Damen war nach dem Marathon perfekt, denn Jana Gegner aus Berlin kam noch zur Bronzemedaille. Staffelpartnerin Mareike Thum hatte ihre Bronzemedaille bereits im 10000-Meter-Punktefahren gewonnen.

Auch bei der letzten Ehrung der Medaillengewinner in Haining durfte ein Deutscher mit aufs Treppchen. Der Darmstädter Felix Rijhnen wurde Dritter im Inline-Marathon.

Zuletzt gewannen deutsche Speedskaterinnen in den Jahre 1991 und 1992 Weltmeistertitel. Anne Titze aus Groß-Gerau wurde Weltmeisterin 1991 in Ostende auf der Bahn im 1500-Meter-Sprint sowie in der 5000-Meter-Staffel gemeinsam mit Petra Raiß und der heutigen höchstqualifizierten deutschen Schiedsrichterin Dr. Barbara Fischer und dann 1992 in Rom nochmals im 500-Meter-Sprint.

Hanspeter Detmer
Landesfachwart Fitness/Speedskating im RIV-NRW

Letzte Änderung am Montag, 28 September 2009 07:32