22 Okt YSC 2009: Rückblick und Analyse

geschrieben von Johannes Gerhards Freigegeben in News

ysc2009_200Der YoungStarCup 2009 ist mittlerweile abgeschlossen. Neun Rennen waren zu absolvieren, drei in der Halle, eins auf der Bahn und fünf wurden auf Straßen- oder Parkplatzkursen ausgetragen. In der Regel stand ein Dreikampf aus Sprint, Geschicklichkeit und altersspezifischer Langstrecke auf dem Programm. Leider gab es auch Ausfälle: die Absage von Inline in Colonia, der Rennabbruch in Langenfeld und schließlich der Abbruch wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse in Bielefeld. Während der Ausfall der Traditionsveranstaltung „Inline in Colonia“ keine Auswirkungen auf das Gesamtklassement hatte – hier wurde lediglich ein Streichergebnis gekürzt – können die beiden anderen Veranstaltungen durchaus ihre Spuren in der Gesamtwertung hinterlassen haben, vor allem da, wo es richtig eng wurde.

Beispiel Junioren B: So lag Dustin Bartelt zum Zeitpunkt des Rennabbruchs in Langenfeld noch knapp vor Jost Grieswelle und konnte volle 40 Punkte einfahren, auch wenn es durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre, dass Jost ihn auf den letzten Metern noch überholt hätte. Die Entscheidung fiel beim Finale in Bielefeld: beide stürzten unglücklich, Dominik Plaßmann konnte sich dazwischen schieben und nicht zuletzt sorgte der Groß Gerauer Philipp Forstner mit Platz 1 in der AK Wertung dafür, dass Jost Grieswelle hauchdünn mit einem Punkt Vorsprung die Gesamtwertung gewinnen konnte, ohne einmal bei einem Einzelwettbewerb ganz oben auf dem Treppchen gestanden zu haben. Fünf zweite und drei dritte Plätze zeugen dennoch von einer sehr konstanten Saisonleistung.

Ganz knapp ging es auch in der teilnehmerstärksten Altersklasse bei den Schülerinnen A zu: in Langenfeld gab es nur einen Zweikampf aus (Zu)Langstrecke und Geschicklichkeit, in Bielefeld fielen just diese beiden Wettbewerbe dem einsetzenden Regen zum Opfer. Um Verletzungen der Sportler zu vermeiden, musste die Veranstaltung abgebrochen werden: klarer Vorteil für die sprintstarken Skaterinnen, die zu diesem Zeitpunkt in Führung lagen. Aber so ist es nun mal im Sport: es gibt keine absolute Gerechtigkeit, und manchmal müssen Entscheidungen am grünen Tisch getroffen werden, die für einige durchaus schmerzhaft sein können.

Andererseits wird der Saisonsieg nicht in einem, sondern bei sechs Rennen entschieden und zum anderen dauert eine Sportlerkarriere meist länger als nur eine Saison. Im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt, da kann eine vermeintliche Ungerechtigkeit sich durchaus auch motivierend auswirken. Dies betrifft vor allem Fabienne Kuhnle und Lea Weber: nur ein Punkt trennt die beiden auf Platz 3 und 4. Hätte man beispielsweise die Rennen in Bielefeld und Langenfeld zu einem Dreikampf zusammen gerechnet, wäre die umgekehrte Reihenfolge herausgekommen. Sei’s drum, der Titel „Skaterin der Herzen“ wird hier nicht vergeben, die beiden Kontrahentinnen treffen sich im nächsten Jahr wieder und werden womöglich um den Saisonsieg kämpfen, die jetzt noch vor ihnen liegenden

Ira Perisic und Emily Cordt wechseln in die weibliche Jugendklasse. Weitere Sportlerinnen und Sportler konnten der vergangenen Saison in positiver Hinsicht ihren Stempel aufdrücken: Laura Ufer (Turboschnecken Lüdenscheid) kam, sah und siegte, wo immer sie auftauchte in ihrer AK Jugend W, Patrick Naerger tat es ihr gleich bei den männlichen A-Junioren. Beide werden in der nächsten Saison die Altersklasse wechseln, doch anders als Patrick, der auch national überzeugen konnte und die Saison mit einem Deutschen Meistertitel bei den Junioren A krönte, wird es für Laura bei überregionalen Wettkämpfen schwer. Es zahlt sich halt nur bedingt für die sportliche Entwicklung aus, wenn die herausfordernde Konkurrenz fehlt: sie konnte zwar bei der DM in Grefrath ihre Vorjahresplatzierungen durchweg verbessern, der Abstand zur nationalen Spitze ist dennoch ziemlich groß, vor allem wenn es 2010 gegen einige von Europas besten B-Juniorinnen gehen soll.

Hier folgen einige statistische Angaben zur YSC Saison 2009:

Legt man die Gesamtteilnehmerzahl zu Grunde, sind 198 Teilnehmer schon eindrucksvoll. Allerdings hat fast die Hälfte (94 = 47,5%) nur an einem einzigen Rennen teilgenommen, lediglich 73 Sportler (36,9%) haben mindestens die 4 für eine Gesamtwertung erforderlichen Rennen absolviert. 20 SkaterInnen (10,1%) wurden bei allen Veranstaltungen gesichtet. Wirft man einen Blick auf die Saisonanmelder, ergibt sich folgendes Bild: Von 67 Sportlern bekommen 16 (23,9%) die Fleißkärtchen für alle Veranstaltungen, bei 10 (14,9%) stehen weniger als vier Teilnahmen an, darunter sind auch die beiden, die sich überhaupt nicht blicken ließen. Unter den Medaillengewinnern befinden sich aber immerhin 8 Sportler, die sich nicht für eine Saisonanmeldung entscheiden konnten. 69 Sportler waren sowohl 2008 und 2009 dabei.

Teilnehmer 2009 m w 4 und mehr Rennen
nur ein Rennen
198 gesamt
97 / 49%
101 / 51%
73 / 36,9%
94 / 47,5%
67 Saisonanmelder
31 / 46,3%
36 / 53,7%
57 / 85,1%
ohne Saisonanmeldung
16 Sportler, 8 Medaillen
Teilnehmer 2008
154 gesamt
90 / 58,4%
64 / 41,6%
71 / 46,1%
52 / 33,8%
73 Saisonanmelder
37 / 50,7%
36 / 49,3%
62 / 84,9%
ohne Saisonanmeldung
10 Sportler, 6 Medaillen
Altersklassen gesamt gewertet
Jun WA
2 1 (50%)
(!)
Jun WB
7 3 (42,9%)
(!)
Jug W
20 6 (30%)
Sch WA
28 14 (50%)
+
Sch WB 24 9 (37,5%) +
Sch WC 20 7 (35%)
Jun A 10 5 (50%)
Jun B 18 9 (50%) +
Jug M 17 8 (47,1%) +
Sch A 17 3 (17,6%) (!)
Sch B 18 4 (22,2%) (!)
Sch C 17 4 (23,5%) (!)

Wie sieht es aus mit der Geschlechterverteilung: insgesamt scheinen die Mädels auf dem Vormarsch zu sein. Besonders in den Schülerklassen wird dies deutlich. Mit 14 Skaterinnen in der Wertung (von 28 gesamt) stehen die Damen der Schüler A etwas besser da als die etwas jüngeren Sch WB mit 9 von 24 gesamt. Schlimm dagegen der Zustand bei den weiblichen Junioren.
Bei den Jungs sieht es in den älteren Jahrgängen etwas besser aus, dagegen klafft bei den Schülern eine Riesenlücke. Tragisch ist das vor allem für Malte Grieswelle, der als Schüler A bereits die höhere Jugendklasse gewinnen konnte, in Zukunft aber ohne jegliche sportliche Konkurrenz da steht, wenn er im nächsten Jahr zur Jugend wechselt.
Neben Malte sollten noch einige SportlerInnen hervor gehoben werden, die jeweils mehr als 230 Punkte aufweisen, also mindestens 5 von sechs Wertungsrennen für sich entscheiden konnten: Lena Marie Werner und Tom Bartels (Sch C), Jolina Schürmann und Gianluca Schröer (Sch B).
Nicht gelistet wird hier Catherina Immich, da sie ohne jegliche Konkurrenz zum Siegen „verdammt“ war. Als Newcomer des Jahres darf sich Tim Kaldenhoff bezeichnen, der quasi aus dem Nichts in seiner ersten richtigen Rennsaison bei der männlichen Jugend auf Platz 3 kam.

2009 G S B
TS Lüdenscheid 4 1 2
SpVg Heepen 3 3 1
Datteln 09 2 2 1
Rollmöpse 2 1 3
BoSS 05 1 0 0
LC Solbad 1 0 0
SSK Kerpen 0 1 2
Oberberg 0 1 1
Neusser IC 0 1 0
ISC Münster 0 0 1
2008 G S B
SpVg Heppen 4 1
Rollmöpse 3 3 2
TS Lüdenscheid 1 2 2
Solbad 1 2
Datteln 09 1 1 1
SSK Kerpen 1 1
Oberberg 1 1
Münster 1 2
VfR Büttgen 1

Die Turboschnecken konnten sich auf Platz eins verbessern und Heepen auf den zweiten Rang verdrängen. Stark im Kommen ist Datteln 09 dank vorbildlicher Förderung der ganz jungen Skater. Auf dem absteigenden Ast dagegen die Rollmöpse und vor allem der ISC Münster, deren Sportler bis auf ganz wenige Ausnahmen den YSC Veranstaltungen weitgehend fern blieben. Beim LC Solbad wirken sich die nicht vorhandenen Trainingsmöglichkeiten und fehlenden Sportstätten verheerend aus. Bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung in Oberberg, Kerpen und beim Neusser Inline Club verläuft. Auch andere Vereine wie RuhrboSS, Post SV Buer und Speedskater Düsseldorf sollen sich intensiv um Nachwuchsförderung kümmern.

Bei der Abschlussveranstaltung mit Siegerehrung und „Schaulaufen der Gesamtsieger“ am 21. November in Datteln soll allen Interessierten die Gelegenheit gegeben werden, sich ein detailliertes Bild vom Zustand unserer Sportart in NRW zu machen…

Johannes Gerhards
Referat für Wettkampfwesen im RIV
Oktober 2009

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Oktober 2009 16:28