Bericht der Landeshallenmeisterschaften

Die NRW Hallenmeisterschaften im Inline Speedskaten waren in organisatorischer und sportlicher Hinsicht ein Höhepunkt der noch jungen Saison 2005. Mit 101 Teilnehmern aus 16 Vereinen, darunter die mehrfache deutsche Meisterin


, Tina Strüver aus Halle an der Saale, wurden am 13.02. in der Merschweghalle Paderborn neue Massstäbe auf Landesebene gesetzt. Allerdings muß ganz klar festgestellt werden, dass die Spezialisten aus Sachsen Anhalt, die als Gäste mit einer schlagkräftigen Mannschaft an der Veranstaltung teil- und gleich die besseren Plätze der Gesamtwertung
einnahmen, den meisten unserer Verbandssportlern noch in fast allen Belangen überlegen sind.

Ausgetragen wurde der Wettbewerb in den Junior- und Hauptklassen als Dreikampf (200 m Einzelsprint, 500 m und 1.000 m Massenstart) und bot jede Menge hochklassiges "Short Track Skating".

Der Zeitplan war eng und abwechslungsreich gestaltet. Fast in jeder Altersklasse – zwischen der Jüngsten (Franziska Menke, 6 Jahre) und den Senioren Max Paas (Bayer Leverkusen) und Peter Kleiner (CST Köln) liegen immerhin fast 60 Jahre Lebenserfahrung – fanden sich sportliche Gegner: Es fällt auf, dass jeder Verein seine spezielle Altersklasse hat: bei den Schülern dominieren die "Rollmöpschen" aus Köln, die Jugend wird von der LG
Mönchengladbach beherrscht, bei den Junioren erkennt man deutlich die Handschrift von Trainerin Chantal Dionne vom ISC Münster, der LC Solbad Ravensberg hält die Vormachtstellung in der Hauptklasse und seniormässig liegt Bayer Leverkusen vorn. Schon beeindruckend, wie Max Paas (AK 60) die "Jungspunde" aus den Fuffzigern abhängen konnte…

Titelverteidiger Markus Pape (LC Solbad) ging vor seinen beiden Hauptkonkurrenten Lukas Wannagat (ISC Münster) und Bahnspezialist Frank Poetsch (Turbine Halle) an den Start des 200 m Einzelsprints. Nach der vorgelegten Zeit von 23,46 sec war klar, dass das heute kein "Selbstläufer" werden würde. Fortan ging er hoch konzentriert zur Sache, hielt die Gegner auf Distanz und spielte im richtigen Moment seine Stärken aus. So gewann er
alle weiteren Vor- und Endläufe über 500 und 1.000 m und wurde vor dem starken A-Junior Lukas Wannagat verdienter Landesmeister. Neben diesen beiden konnte gerade noch Christina Musielak (LC Solbad) den prominenten Gästen Paroli bieten. In der Endabrechnung der weiblichen Hauptklasse wurde es deutlich: 5 Hallenserinnen auf den ersten 6 Plätzen der Gesamtwertung! Zwar kam sie vorne an Tina Strüver (Nr. 1 der deutschen Rangliste) noch nicht ganz heran, konnte aber den Abstand zur deutschen Spitze immerhin verringern und wurde als Dritte der Gesamtwertung erstmals Landesmeisterin in der Halle.

Aus organisatorischer Sicht lief alles wie am Schnürchen. Zeitmessung und Wettkampfbüro arbeiteten routiniert, schnell und zuverlässig, der Ablaufplan wurde letztendlich perfekt umgesetzt. Johannes Gerhards als Rennleiter und Oberschiedsrichter war mit 6 KollegInnen im Einsatz. Gelegentlich wurde dem Team eine übertriebene Pingeligkeit weit entfernt von internationaler Härte attestiert, andererseits gab es klare, eindeutige und regelkonforme
Entscheidungen, wann immer es erforderlich war. Wenn auch nicht jeder Fehlstart zurück gepfiffen wurde, im Großen und Ganzen gab es wenig Gründe, in das Renngeschehen regulierend einzugreifen. Unverständlich lediglich das Verhalten eines Paderborner Pressevertreters: während des laufenden Wettkampfes wollte er unbedingt Informationen aus erster Hand. Wurde er von einem Schiedsrichter abgewiesen, belästigte er den nächsten und zeigte sich obendrein noch vollkommen uneinsichtig. Ob dieser Mensch auch bei Fußballspielen auf den Platz rennt, um den Referee just beim Elfmeter zu interviewen?

Einigen Schülern müsste man vielleicht noch erläutern, dass eine Vollbremsung auf der Ziellinie nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss ist. Im  Jungseniorenbereich blieb den "Herren der Erschöpfung" öfter mal die Luft weg, und der Zielschritt glich gelegentlich eher einem missglückten Kopfsprung mit unsanfter Landung auf dem Hallen- und Hosenboden.

Es war offensichtlich, dass Vereine mit Wintertrainingsmöglichkeit in Sporthallen einen Vorteil gegenüber der "Parkhausfraktion" hatten. Besonders deutlich wurde dies bei den Gästen aus Sachsen Anhalt: wenn sie in einer Altersklasse am Start waren, fuhren sie auch um den Sieg mit. Tina Strüvers stilistische Perfektion faszinierte Besucher und Sportler gleichermaßen, im Schüler- und Juniorenbereich demonstrierten die jungen Damen aus dem "nahen Osten" (noch) ihre Überlegenheit. Dennoch die Rollrichtung stimmt, mit der
Bahn in Duisburg, den World Games im Juli und den geplanten Sommerveranstaltungen wird unser Landesverband den einen oder anderen Schritt nach vorne machen.

Fazit: eine rundum gelungene Veranstaltung, die Appetit macht auf mehr und den langen kalten dunklen Winter aus Skatersicht etwas erträglicher macht. Vielleicht gibt es eine Neuauflage im nächsten Jahr – wünschenswert wäre es auf jeden Fall!

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