“Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, dann will ich
mein Bestes geben!“ (Eid der Aktiven bei den Special Olympics)
Lange Zeit habe ich mich gefragt, was verbindest du mit dem Wort
Sport für Werte. Hierbei sind mir schnell Begriffe wie Fairness,
Toleranz, Solidargemeinschaft, soziales Miteinander, Integration und
soziales Lernen eingefallen. Werte, die seit Jahren dem Sport ein
Profil in der Öffentlichkeit geben und die in den letzten Wochen und
Monaten auch immer wieder als Grundlagen benannt wurden, warum der
Sport ein wichtiger Faktor im gesellschaftlichen System in Deutschland
ist und keine finanziellen Sparmaßnahmen erfahren darf.
Wie oft wird in
dieser Diskussion angeführt, dass diese Werte durch den Sport den
jungen Menschen bereits vermittelt werden, da die ältere Generation
diese Werte lebt und akzeptiert.
Seit ein paar Monaten sind bei mir Zweifel aufgekommen, ob es im
Inline Speedskating nicht eine bedenkliche Entwicklung in diesem
Bereich gibt. Natürlich sind nicht alle Speedskater frei von diesen
Werten, aber bei den letzten Rennen war zu beobachten, dass diese Werte
teilweise deutlich auf der Strecke bleiben. Der Ruf nach
Schiedsrichtern und immer mehr Schiedsrichtern wird immer lauter in
Deutschland, aber vielleicht können wir uns alle gemeinsam auf diese
Werte wie der besinnen und es ist nicht so, dass wir zusätzliche
Schiedsrichter benötigen, damit die Schiedsrichter einen Hauptteil
ihrer Arbeit damit verrichten, dass sie Sportler nachweisen, dass sie
die Regeln nicht einhalten.
So wird einem Schiedsrichter gern vor dem Rennen mitgeteilt, dass
man aus einem anderen Startblock starten würde, denn der Schiedsrichter
müsste ja erst einmal nachweisen, dass dies so sei und im Übrigen sei
einem Disqualifikation egal, denn man habe seinem Kollegen helfen
wollen und der hätte jetzt einen guten Platz.
Liebstes Alibi des Skaters in den letzten Wochen sind ehrenamtliche
Helfer, die geben am Start falsche Auskünfte, weisen den Sportler in
die falsche Gasse ein oder haben sich bei den Runden verzählt, so dass
der Sportler zu wenig Runden gelaufen ist und dann das Rennen
frühzeitig beendet. Bei der Vielzahl von Helfern bei Rennen ist dies
nur natürlich, dass es irgendwann immer greift dies Alibi, denn es wird
immer Helfer geben, die sich nicht an Regeln und Absprachen halten bzw.
diese Einweisungen nicht kennen.
Gern wird auch ohne Startnummer gelaufen, denn dann kann mich der
Schiedsrichter im Rennen nicht an der Nummer erkennen und auch keine
Sanktionen aussprechen. So kann ich mir Vorteile verschaffen und am
Start zeige ich die Nummer kurz vor, damit ich in die richtige Gruppe
komme. Es macht diesen Skatern auch nichts aus, dass dann ehrenamtliche
Helfer wie beim Erkennungsdienst die Personen ermitteln dürfen. Die
Folge ist nur, dass die ehrlichen Sportler auf die Ergebnisse warten
müssen, aber was macht das schön.
Ansagen von Moderatoren gilt es in der Regel zu ignorieren, denn es
gibt immer die Aussage: „Ich bin am Start so aufgeregt und einen
Schiedsrichter habe ich nicht gesehen.“ Ist auch schwer möglich, da die
DRIV Schiedsrichter immer weiße Kleidung anhaben und meistens auch ein
DRIV Poloshirt. Auf Ansagen von Moderatoren zu hören, die vom DRIV
eingewiesen sind, ist auch lästig, denn dann muss ich im Nachgang nur
die Regeln einhalten. Außerdem wird mir so eine Entschuldigung
genommen, damit ich mich vielleicht nicht an die Regeln halten muss.
Gern wird im Sport über die Szene von Lance Armstrong und Jan
Ulrich bei der Tour de France berichtet. Hier haben zwei Gegner
gewartet, um dann im fairen sportlichen Duell den Gewinner zu
ermitteln. Bei Skatern wird diese Möglichkeit gern gesehen, um sich vom
Feld abzusetzen. Was soll ich warten, wenn ich einen Vorteil habe?
Belächelt werden Skater, die diese Regel einhalten. Zum Glück gibt es
auch hier ein paar Skater, die auch diese Regeln einhalten.
Skater sind ideenreich. So werden neuerdings sogar Startpässe
nachgemacht, damit ich die Vorteile der DRIV Lizenz nutzen kann.
Langsam stellt sich die Frage: Wo ist die Grenze? Sind hier noch die
Werte, die dem Sport inne wohnen eingehalten?
Über das Verhalten im Rennen von Skatern untereinander, die
teilweise auch im Rennverlauf einen Umgang pflegen, der nicht dem
Regelwerk entspricht und nicht geprägt ist von sportlicher Fairness
möchte ich in diesem Artikel nicht sprechen.
Es stellt sich langsam die Frage: Wollen wir dies Verhalten dulden
oder wollen wir gemeinsam dafür eintreten, dass wir uns auf die Werte
des Sports verständigen? Aus meiner Sicht kann es nur sein, dass wir
uns gemeinsam auf diese Werte besinnen und das Motto der Special
Olympics leben: “ Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen
kann, dann will ich mein Bestes geben!“ Wenn wir dieses Leitsatz wieder
in unseren Rennen leben und die Skater sich nicht überlegen, wie kann
ich das Regelwerk ausnutzen, damit ich persönlich einen Vorteil habe,
aber die anderen Teilnehmer müssen dann halt Nachteile erdulden. Dann
können wir wieder faire und sportliche Rennen haben. Das Traurige bei
dieser ganzen Entwicklung ist, dass ein paar „schwarze Schafe“ den Ruf
und den Geist einer Sportart gefährden. Sie binden die Arbeitskraft der
Schiedsrichter ein, obgleich die Schiedsrichter eigentlich andere
Aufgaben wahrnehmen müssen. Zwar ist die Einhaltung der Regelwerke ihre
Aufgabe, aber hier sind andere Prioritäten gesetzt als sie im Moment
abgearbeitet werden, da einige Skater meinen, dass sie durch
egoistisches Verhalten die Gemeinschaft behindern.
Wie schön Wettbewerbe sind, wenn sich die Sportler an die Regeln
halten, hat sich gezeigt bei den Altersklassen Meisterschaften, wenn
die AK sich darauf verständigt hat, dass sie gemeinsam die Grundwerte
des Sports akzeptiert, dann dürfen die Skater, die Schiedsrichter, die
Trainer und Betreuer sowie die Zuschauer sportlich spannende
Wettbewerbe erleben, die die Faszination dieser Sportart zeigen und nur
Werbung für das Inline Skating sind. Leider kann ich nur einen Appell
an die Skatergemeinschaft richten, dass sie sich dieser Werte besinnt,
damit wieder die Werte des Sports gelebt werden können! Mir ist
durchaus bewusst, dass nicht alle Skater diese Werte vergessen haben
und auf diese Vorbilder hoffe ich, damit sie uns helfen diese Werte
wieder zu leben.