Am 27. Januar 2006 um 9:13 Uhr teilten die beiden Chef-Organisatoren der Veranstaltung RheineMarathon 2006, Thomas Veltmann und Manfred Wietkamp, mit, dass die seit September 2005 für den 17. September 2006 terminierte traditionelle Veranstaltung des ISV Rheine in diesem Jahr ausfallen wird, obwohl der Lizensierungsantrag für das Rennen in Rheine vom Beauftragten für das Wettkampfwesen im RIV/NRW, John Gerhards, fristgerecht bereits am 25. Oktober 2005 – also 17 Tage vor der Herbst-SK-Sitzung in Gera – an den DRIV geleitet worden war.
Die Veranstaltung in Rheine mit einem kompletten Wettkampfprogramm für alle Nachwuchs-Klassen, einem Breitensportrennen sowie dem Rheine-Marathon wäre zum dritten Mal in Folge das Finale des Regio-Cups im RIV/NRW geworden.
Im Vordergrund der Absageentscheidung steht die Terminkollision mit der ebenfalls für den 17. September 2006 angesetzten Deutschen Inline-Marathon-Meisterschaft auf dem Nürburgring. Die DM-Festlegung erfolgte durch die SK Speed des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbands. In der WKO-Straße Langstrecke steht unter Punkt 9.1 bezüglich einer DM Marathon, dass entsprechende Ausrichtungsanträge zwei Jahre vorher zu stellen seien. Der Antrag für eine DM auf dem Nürburgring aber stand im Vorfeld der SK Sitzung gar nicht zur Debatte und wurde erst als Dringlichkeitsantrag eingebracht. Da entsprechend der Lizensierungsrichtlinien die Termine und Lizensierungsanträge aus dem Bereich des RIV/NRW fristgerecht zum 1.11.2005 eingereicht worden waren, sind wir der Auffassung, dass sich auch höher klassifizierte Wettbewerbe bei verspäteter Anmeldung arrangieren müssen mit Veranstaltern niedriger eingestufter Wettbewerbe, vor allem dann, wenn es auch unter geographischen Aspekten zu einer echten und sogar existenzgefährdenden Terminkollision kommt.
Unter diesem Aspekt ist auch die terminliche Überschneidung des frühzeitig geplanten und so angemeldeten WSC-Wettbewerbs am 5. August in Neuss/Düsseldorf mit der erst in diesen Tagen auf das gleiche Wochenende gelegten GBC-Veranstaltung in Jütebog zu sehen. Die aus NRW stammenden GBC-Vereinsmannschaften der Kölner Roll-Möpse und der Leverkusener Speedies kommen so in einen kaum lösbaren Terminkonflikt, der zu einem Zeitpunkt, als sie ihre Termin- und Finanzierungsplanungen aufstellten, nicht absehbar war.
Im Sitzungsprotokoll der SK-Speed des DRIV vom 12. Nov. 2005 steht als Termin für die DM der 16. September 2006 (samstags). Dieses Protokoll wurde noch am 23.01.2006 von der SK-Vorsitzenden dem soeben neu gewählten Landesfachwart Fitness/Speedskaten im RIV/NRW, Hanspeter Detmer (Köln), in dieser unveränderten Fassung zugestellt. Erst in nachfolgend geführten Telefonaten und e-Mails sowohl mit Irmelin Otten als auch mit Axel Enderes war davon die Rede, dass der protokollierte Termin 16. September inzwischen – ohne Protokollkorrektur – auf den 17. September 2006 gelegt worden sei.
Mit einer Terminabfolge 16. September DM auf dem Nürburgring und 17. September Renntag in Rheine hätte sich der Vorstand des veranstaltenden ISV Rheine einverstanden erklärt. Eine Termindopplung mit der DM aber ist aus Rheiner Sicht nicht akzeptabel. Die Gründe liegen im Bereich der für die Kontinuität unverzichtbaren Seriosität der Finanzierbarkeit von Veranstaltung.
Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass ganz viele, von kommerziellen Agenturen ausgerichtete Veranstaltungen im Gegensatz zu Veranstaltungen, die von seriös geführten und im Speedskaten außerordentlich engagierten Vereinen mit dem Steuer-Status der Gemeinnützigkeit den Sportlern keine Planungssicherheit geboten haben. Der ISV Rheine gehört zu diesen seriösen und auf Kontinuität bedachten Vereinen.
Eine Analyse der Starterfelder der letzten Jahre in Rheine hat ergeben, das knapp 70 Prozent der Startgeldzahler (im Jahre 2005 waren insgesamt 450 Skater in Rheine am Start) aus dem Bereich Köln, Bonn, Leverkusen und Umgebung kommen. Bei einer Konkurrenzveranstaltung auf dem Nürburgring ist ernsthaft zu befürchten, dass viele Starter aus dem Großraum Köln auf Grund der deutlich geringeren Entfernung, aber auch auf Grund eines ‚Nürburgring’-Mythos eher zu einem Rennen am Nürburgring als nach Rheine fahren. Neben der Reisezeit und den Reisekosten spielen emotionale Beweggründe dabei eine größere Rolle als sportliche.
Unter diesem Aspekt hat der Hauptsponsor des Rheiner Rennens, die Stadtsparkasse Rheine, dem Vorstand des ISV Rheine mitgeteilt, dass sie bei einer Terminüberschneidung ihre finanzielle Unterstützung um 50 Prozent kürzen würde.
Die für die Kontinuität einer Sportveranstaltung wichtige wirtschaftliche Seriosität ist aus der Sicht des ISV Rheine damit nicht mehr gewährleistet.
Der Vorstand des Vereins hat darauf hin nochmals alle Versuche unternommen, den Termin des Renntags in Abstimmung mit der Stadtverwaltung (Ordnungsbehördliche Erlaubnis der Nutzung öffentlicher Straßen) zu verlegen. Aber auch diese Versuche sind aus diversen, solide nachvollziehbaren Gründen fehlgeschlagen.
Daraufhin teilte der Vorstand des ISV Rheine dem Landesfachwart Fitness/Speedskaten im RIV/NRW offiziell mit: „Die Entscheidung steht also – Der RheineMarathon 2006 am 17.09. findet nicht statt“.
Der Vorstand der Fachsparte Fitness/Speedskaten im RIV/NRW nimmt diese Entscheidung mit größtem Bedauern zur Kenntnis. Er sieht sich allerdings gezwungen, einige Anmerkungen hinzuzufügen.
Die Veranstaltung in Rheine hat sich über Jahre hinweg zu einer bemerkenswerten Konstante im Bereich Speedskaten entwickelt. In Rheine wurde sogar im Jahre 2003 die Deutsche Inline-Marathon-Meisterschaft ausgetragen! Hinweise der SK Speedskaten im DRIV, auch der Landesverband in NRW möge sich engagierter in punkto Terminangebote für Deutsche Meisterschaften zeigen, weist die Fachsparte Fitness/Speedskaten im RIV/NRW zurück. Weitere Deutsche Straßen-Meisterschaften fanden in jüngster Zeit in Wesseling (2002) und Bochum (2005) statt.
Aber nicht nur mit seinem Leistungssportangebot hatte sich Rheine einen Spitzenplatz unter den Wettbewerbsveranstaltern weit über den RIV/NRW hinausgehend aufgebaut. Wichtig vor allem für die Zukunft des Speedskatens in Deutschland ist, dass Rheine immer ein volles Renn-Angebot für Nachwuchsskater sowie für die Breitensportler in seinen Renntag integriert hatte. Nur so lässt sich dauerhaft die Zukunft des Speedskatens sichern.
Mit der Absage des Renntags in Rheine, in dessen Rahmen ja auch das Finale des Westdeutschen Speedskating Cup 2006 stattfinden sollte, wird auch dieser WSC 2006 in seiner sportlichen Wertigkeit arg in Mitleidenschaft gezogen wenn nicht gar gefährdet.
Der Vorstand der Fachsparte Fitness/Speedskaten appelliert an die Veranstalter der WSC-2006-Wettbewerbe, unbedingt den WSC 2006 durchzuführen, damit die zarte Pflanze Speedskaten nicht auf Grund von Entwicklungen, die weder der ISV Rheine noch die Fachsparte Fitness/Speedskaten in NRW zu verantworten haben, eingeht.
Auf ihrer Vorstandssitzung wird die Fachsparte Fitness/Speedskaten im RIV/NRW am 3. Februar 2006 Anträge für die nächste Frühjahrs-SK-Sitzung des DRIV formulieren, die sich in besonderer Weise auf die Festlegungen und Vergabe von Wettbewerbsterminen beziehen.