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Die Speedskating-Hallenmeisterschaften des RIV-NRW waren ein
wahres Rekordfestival: 135 Teilnehmer, so viele Starter hat es in NRW in der
Halle noch nie gegeben. Der Rekord war ein krönender Abschluss einer schönen
Veranstaltungsserie mit Renntagen in Leverkusen, Bochum, Paderborn und zum
Schluss nun Kerpen. Und der Meisterschaftssonntag war ein richtiger saisonaler
Höhepunkt: Die Mitglieder des Skate-Express-Kerpen vom Gastgeberverein SSK
Kerpen hatten die Dreifachsporthalle perfekt und vor allem auch unter
Sicherheitsaspekten meisterschaftswürdig hergerichtet. Und auch die Betreuung
aller Gäste war stets liebenswürdig. Dank an alle Helfer; großes Lob für die
‚Chefs' Axel Eggert und Michael Klein.
Von den großen Zahlen und der Perfektion der Ausrichtung
sollte man sich jedoch bei einer Analyse der Hallenmeisterschaften nicht
blenden lassen. Denn bei genauerem Hinsehen gab es Vieles, was bedenklich
stimmte. Von den 43 Speedskating-Vereinen in NRW waren nur 15 Vereine präsent.
Vor allem fehlten, bis auf ganz wenige Ausnahmen, diejenigen, die sich für die
Top-Athleten unseres Sports in NRW halten.
Nur fünf von 43 Vereine aus NRW waren mit Sportlern der
Altersklassen Schüler und Jugendliche vertreten. Auch hier täuschen die Zahlen:
Von den 135 Gesamtteilnehmern gehörten 50 den Kategorien Schüler/Jugendliche
an. Aber von diesen 50 waren alleine 32 Kölner Roll-Möpse, die in einigen
Altersklassen quasi eine Vereinsmeisterschaft austrugen. Ein einziger männlicher
A-Junior! Zwei weibliche Jugendliche! Diese Zahlen müssen auf die Zukunft
unseres Sports bezogen sehr nachdenklich stimmen.
Immerhin waren bei den männlichen Jugendlichen elf
Konkurrenten am Start. In dieser Altersklasse gab es dann auch mit die spannendsten
Wettkämpfe des Tages – und zugleich das größte Drama. Jan Konz vom SSC Kölner
Roll-Möpse hatte alle Hallenmeetings besucht, hatte auch alle Rennen in
Leverkusen, Bochum und Paderborn gegen die NRW-Konkurrenz gewonnen. Auch in
Kerpen behauptete er sich in den Rennen über 500 und 1000 Meter knapp aber
sicher vor seinem Klubkameraden Jannick Gießing. Und dennoch musste Jan seinen
Vorjahrestitel an Jannick abtreten. Denn der zur Gesamtwertung zählende
Rollgewandtheitslauf ist nicht die Lieblingsdisziplin von Jan Konz…..
Aber wer weiß, welche Folgen das Ergebnis – Jannick Gießing
erstmals NRW-Hallenmeister bei der männlichen Jugend, Jan Konz Zweiter – haben
wird? Jannick wird sich sicherlich durch den Titelgewinn mächtig motivieren
lassen, noch intensiver zu trainieren. Und Jan Konz konnte sich trösten mit dem
außerordentlichen Lob des neuen NRW-Landestrainers Daniel Pütter, von dem er
zum besten Nachwuchsskater der Wintersaison 2006/7 ausgezeichnet wurde.
Bei den jungen Damen ging diese Auszeichnung selbstredend an
Janina Naeger vom LC Solbad Ravensberg. Janina ist einfach unter den
Nachwuchsskaterinnen in NRW einzigartig – schade, dass die Konkurrenz
qualitativ und auch quantitativ arg zu wünschen übrig lässt.
Traurig war die Konkurrenz bei den aktiven Männern – nur
fünf am Start. Markus Pape (LC Solbad Ravensberg) siegte nach Belieben. Unter
den sechs aktiven Damen war Simone Salten von den Speedskatern aus Düsseldorf
die Beste.
Es muss beim Blick in die Zukunft eines Sports einfach
bedenklich stimmen, wenn die AK40 der Männer mit 15 Startern sowohl zahlenmäßig
als auch von der Qualitätsdichte am besten besetzt war und die spannendsten
Entscheidungen lieferte.
Von den 15 vertretenen Vereinen reisten immerhin 12 mit
mindestens einem Medaillengewinner heim. Die meisten Titelgewinner stellte die
LC Solbad Ravensberg mit acht Landesmeistern (plus einmal Silber und zweimal
Bronze). Die insgesamt fleißigsten Medaillensammler waren die Kölner
Roll-Möpse, die es auf vier Landesmeister, fünf Silber und neun
Bronzemedaillengewinner brachten.
Alle, die in Kerpen waren, stimmten überein: Es war ein
faszinierender Speedskating-Sonntag, der vor allem die vielen Eltern unter den
Zuschauern davon überzeugte, dass ihre Kinder einen tollen Sport ausüben. Es
ist anzunehmen, dass besonders im Nachwuchsbereich diese Form des Speedskatens
weitere Freunde gewinnen wird. Jemand, der das Skaten in der Hallen eher als
ein unumgängliches Winterübel ansah, ließ sich von der wunderbaren Atmosphäre,
den spannenden Wettkämpfen und auch der großen Freude vor allem der
jugendlichen Skater animieren und meinte dann spontan: „Ich werde meinem
Vorstand vorschlagen, dass wir in der nächsten Saison ebenfalls einen
Hallenrenntag ausrichten." Dann wären es schon fünf Renntage – dem Trend kann
keiner entkommen.
Zum Abschluss noch ein letztes Lob. Es gilt den
Schiedsrichtern. Sie haben einen tollen Job gemacht – 80 Rennen in fast zehn
Stunden. Einfach grandios!