Drei ereignisreiche Wochenenden liegen hinter den Speedskatern in NRW. Und wenn man die Veranstaltungen in Köln (INLINE IN COLONIA), Kerpen (1. Inline-Event mit Landesmeisterschaft Teamzeitfahren) und Grefrath (Landesmeisterschaft Bahn) unter dem Wetteraspekt betrachtet, schließt sich sogar ein Kreislauf: Anfangs Kübelregen, dann eitel Sonnenschein, und schließlich ein Regenfinish.
Zum 8. Male – Teamzeitfahren ist eine Spezialität bei INLINE IN COLONIA
Gehen wir chronologisch vor. Die 8. Ausgabe von INLINE IN COLONIA an Pfingstsonntag hatte alle Voraussetzungen, nahtlos anzuschließen an das Qualitätsniveau, das in den vorausgegangenen sieben Jahren systematisch aufgebaut worden war. Denn die Programminhalte und der Programmablauf waren bis auf marginale Veränderungen identisch mit den Veranstaltungen der Jahre 2006 und 2007. Wenn sich dennoch der ernüchternde allgemeine Veranstaltungstrend – minus ca. 17 Prozent weniger Finisher in den Speedrennen – auch bei INLINE IN COLONIA fortsetzte, so gibt es in diesem Fall dafür eine eindeutige Erklärung: Vielen, die gerne in Köln gestartet wären, fehlte einfach die Fantasie, dass nach morgendlichen Platzregengüssen nachmittags in Köln die Straßen weitgehend trocken waren. Ohne Regen hätte sich INLINE IN COLONIA wahrscheinlich sogar dem Trend des allgemeinen Teilnehmerverlustes entgegen gestemmt. Diese Vermutung lässt sich auch mit dem Hinweis auf die große Teilnehmerzahl beim Teamzeitfahren untermauern. Von den 26 Herren- und 8 Damen-Team, die ihren Wettbewerb in strömendem Regen austrugen, verzichtet anschließend viele Athleten darauf, später noch als Einzelstarter in den getrennten Speed-Einzelrennen an den Start zu gehen. Zudem verzichteten zahlreiche Voranmelder aus Regen-Risikogründen auf eine längere Anfahrt nach Köln. Vom Regen, der die Kölner in den ersten sieben Jahren ihrer Veranstaltung verschont hatte, extrem beeinträchtigt wurde auch das Breitensportler-Rennen.
Dem Wettkampfgedanken tat das miese Wetter dennoch keinen Abbruch. Nachdem sich die Schüler und Jugendlichen durch tapfer durch den Prasselregen gekämpft hatten, wurde das Teamzeitfahren, das die Kölner Roll-Möpse bereits seit der Premiere von INLINE IN COLONIA im Jahre 2000 im Programm und immer weiter entwickelt haben, vor allem bei den Herren zu einer spannenden Angelegenheit. Erwin Bergen, Michael Puderbach, Markus Pape und Oliver Engel, die für das Experts Race Team fuhren, zeigten wie auch später im Einzelrennen große Harmonie und siegten auf der 11955 Meter langen Strecke mit komfortablen 16 Sekunden Vorsprung vor dem Skate Team Lübeck, das seinerseits wiederum nur drei Sekunden Vorsprung vor dem Team des Halstenbeker TS hatte. Das Speed Team Köln der Veranstaltungsgastgeber kam auf einen guten neunten Platz. Bei den Damen siegten erwartungsgemäß die NRW-Speed-Ladies mit großem 1:25-Minuten-Vorsprung vor den OWL-Ladies und dem mit Abstand jüngsten Team ‚der-rollenshop.de-Juniors‘. Das Teamrennen wurde bei den Damen ausschließlich im Rahmen der WSC2007-Teamwertung ausgetragen. Bei den Herren ging es sowohl um Punkte in der WSC2007-Teamwertung als auch um Punkte in der GBC-Vereinsteam-Wertung. Die Punktevergabe und die entsprechenden Platzierungen sind auf dieser Homepage in der Rubrik „WSC“ sowie bei ‚sportservicehamburg.de‘ nachzulesen.
Im Einzelrennen der Damen siegte Melanie Becker von den Gülser Mosel-Skatern vor Wienke Wannagat (ISC Münster) und Simone Salten (VfR Büttgen / Speedskater Düsseldorf). Leider war dieses Rennen in diesem Jahr nicht so hochkarätig besetzt wie im Vorjahr, als immerhin sechs der TOP TEN der DRIV-Rangliste in Köln am Start waren.
Bei den Herren wurde im Vergleich mit dem Vorjahr nur umgeschichtet. Der Vorjahressieger Michael Puderbach (CJD Homburg) ließ in diesem Jahr seinen Teamkameraden Erwin Bergen und Oliver Engel (beide Gülser Mosel-Skater) den Vortritt und begnügte sich nahezu zeitgleich mit dem vierten Rang. Der EM-Teilnehmer Markus Pape (LC Solbad Ravensberg), unangefochten bester Speedskater in NRW, kam auf Platz drei.
Interessant in diesem Rennen: Das Spitzenquartett war zirka 25 Sekunden langsamer als im Vorjahr, derweil sich die Skater aus dem Mittelfeld um ein bis zweieinhalb Minuten verbesserten. Hierfür dürfte es eine einfache Erklärung geben. Die Spitzenfahrer waren mit dem gleichen hochwertigen Material wie im Vorjahr ausgestattet. Der Zeitverlust erklärt sich ausschließlich durch eine gewisse Feuchtigkeits bedingte Vorsicht auf der Strecke und in den insgesamt sechs Spitzenkehren. Der Leistungsschub im Mittelfeld ist sicherlich die Folge noch intensiveren Trainings, aber auch zurückzuführen auf die Tatsache, dass viele Skater ihr Material noch einmal mächtig aufgerüstet haben.
Kerpen – Eitel Sonnenschein bei der Premiere
Nur eine Woche später wurde
die dritte diesjährige WSC-Veranstaltung in Kerpen ausgetragen. Geplant war
diese Veranstaltung ursprünglich in Hürth, wohin vom DRIV sogar eine
B-Rennlizenz vergeben worden war. Hürth sollte ein nationaler GBC-Termin sein
und die Premiere einer Landesmeisterschaft im Teamzeitfahren erleben. Erst nach
Ostern erreichte den Vorstand des Rollsport- und Inline-Verbands NRW die
unwiderrufliche Terminabsage. Was nun? Schließlich waren Landesmeisterschaft
und WSC2007 in Gefahr.
In höchster Terminnot erreichten dann jedoch gleich drei Übernahmeangebote den Fachspartenvorstand, der sich nicht zuletzt deshalb für Kerpen (Ausrichter: SSK Kerpen – Speed Express Kerpen) entschied, weil die Kerpener das vom Landesfachwart ursprünglich für Hürth konzipierte Wettkampfprogramm 1 zu 1 übernahmen. Außerdem schafften es die Kerpener mit größtem Engagement, Anlieger-Bedenken zu klären und die ordnungsbehördlichen Auflagen zu erfüllen. Das war eine eben so große Organisationsleistung, wie sie die Kerpener Gastgeber dann auch am Veranstaltungstag für alle Teilnehmer sichtbar vor Ort demonstrierten. Die optimalen Witterungsbedingungen passten zu Perfektion.
Einziger Wermutstropfen – die vergleichsweise geringe Teilnehmerresonanz unter den Nachwuchsskatern aus den rheinischen Nachbarvereinen.
Ein Klassewettbewerb auf einem dafür bestens geeigneten Rundkurs mit weitgehendem Sahnebelag war die erste Landesmeisterschaft im Teamzeitfahren. Um sich von allen möglichen zukünftigen Diskussionen um eine Teilnahmeberechtigung an der 2. DM im TZF zu befreien, hatte der Fachspartenvorstand im RIV-NRW entschieden, dass bei einem Qualifikationsnachweis für die DM-Teilnahme das Ergebnis der Landesmeisterschaft entscheidend ist. Entsprechend engagiert wurde unter den leider nur sechs Damen- aber immerhin 17 Herrenteams gekämpft.
Bei den Damen triumphierte mit den LC Solbad Ladies das jüngste Team vor den Damen des TSV Bayer 04 Leverkusen und den Düsseldorfer Speedskaterinnen.
Bei den Herren mussten die 17 Teams auf zwei Startblöcke verteilt werden, wobei sich letztlich herausstellte, dass der zweite gestartete Block deutlich stärker war als der erste. Denn auf den ersten fünf Plätzen des Gesamtklassement landeten mit dem Meisterteam der Speedskater Düsseldorf, dem TSV Bayer 04 Leverkusen, dem LC Solbad Ravensberg, SV Westfalia Rhynern und Ruhrboss 03 Bochum fünf Teams aus dem letzten Startblock. Erst auf Rang sechs kamen mit dem Cologne Speed Team und dem Speed Team Köln der Kölner Roll-Möpse die besten Teams aus dem zuerst gestarteten Block. Veränderte Umweltbedingungen hatten jedoch keinen Einfluss auf das Ergebnis. Knapp waren übrigens die Differenzen. So trennten lediglich drei Sekunden die zweitplatzierten Leverkusener vom Team LC Solbad. Lediglich 1,5 Sekunden lagen am Ende das Cologne Speed Team und das GBC-Team der Kölner Roll-Möpse auseinander – knappe Abstände, die entscheidend sein können, wenn der DRIV seine Zulassung zur DM im September in Mainz veröffentlicht.
In den beiden abschließenden Speed-Halbmarathonrennen der Damen und Herren triumphierten bei den Damen die in Köln wohnende Sportstudentin Franziska Neuling (RSV Blau-Weiß Gera / SSC Kölner Roll-Möpse 98 e.V.) vor Clarissa Gerber (LC Solbad), Christina Kotthoff (LG Mönchengladbach) und Karolina Kierzkowski (RSC Aachen). Bei den Herren gewann der aus dem Saarland angereiste Dirk Metzger vor Markus Pape (LC Solbad), Lukas Wannagat (Tri-Sport Lübeck) und Alexander Mier (Speedskater Düsseldorf).
134 Männer und 47 Frauen wurden nach den Halbmarathonrennen in den Ergebnislisten aufgeführt. Im Vergleich zur letzten Vergleichsveranstaltung in Hürth vor zwei Jahren ist das ein Teilnehmerrückgang von rund 13 Prozent, der erschreckenderweise fast ausschließlich darauf zurück zu führen ist, dass von ehemals rund 20 Junioren nur noch eine Handvoll Nachwuchsstarter übrig geblieben ist. Lichtblick hier – der B-Junior Patrick Naerger (LC Solbach), der nur fünf Sekunden nach dem Sieger über die Ziellinie fuhr.
Bis auf ganz wenige Ausnahmen waren sich so gut wie alle Teilnehmer an der Veranstaltung in Kerpen einig: Eine Klasseveranstaltung, die keine nach Wiederholung verlangt. Doch Vorsicht vor zu großer Euphorie. Unter regionalen Vorzeichen war alles in Kerpen bestens, und innerhalb des RIV-NRW können wir alle glücklich sein, mit einer solchen Veranstaltung die Zukunft zu planen. Was nationale Höhenflüge anbetrifft, so stößt der Kurs in Kerpen jedoch spätestens bei 150 Startern, vor allem, wenn sie auch noch mehr Klasse und Geschwindigkeit mitbringen, an Kapazitätsgrenzen. Hier gilt: Schuster, bleib bei deinem Leisten.
LM Bahn in Grefrath – Der DRIV-Präsident informierte sich bei den Speedskatern
Aller guten Dinge sind drei ………. könnten es zumindest sein, wenn der Regen in Köln und dann eine Woche nach Kerpen auch bei den NRW-Landesmeisterschaften auf der Eisschnelllaufbahn in Grefrath nicht des Guten zu viel gewesen wäre. So wurde aus dem Dreikampf in einigen Altersklassen bei der LM Bahn nur ein Zweikampf. Wenigstens in den Schüler- und Jugendklassen konnte das komplette Programm abgewickelt werden. Schade nur, dass erneut die Resonanz sehr gering war, obwohl doch gerade eine Bahnveranstaltung mit mehreren Veranstaltungsabschnitten besonders interessant ist.
Franziska Schlag bei den Schülerinnen C und Ira Perisic bei den Schülerinnen B (beide Inlineskating Oberberg) sowie Franziska Sabath bei den Schülerinnen A (LC Solbad) holten sich die NRW-Titel nach Geschicklichkeitslauf, 100-Meter-Sprint und 300-Meter-Rennen. Gänzlich unbesetzt blieb hier die Klasse der weiblichen Jugend.
Bei den Schülern C war Lukas Tielke (EC-Grefrath) einzigartig. Meister bei den Schülern B wurde Florian Wulf (LC Solbad) und Christopher Peltzer (EC-Grefrath) holte sich den Titel bei den Schülern A. Die Klasse der männlichen Jugendlichen wurde wie schon bei der Hallen-Landesmeisterschaft in Kerpen beherrscht von den Kölner Roll-Möpsen. Erneut siegte Jannik Gießing, diesmal in Abwesenheit von Jan Konz. So gelangte Dustin Bartelt auf Rang zwei und Benedikt Immich auf den dritten Platz.
Ein komplettes Programm konnten noch die männlichen Junioren austragen. Nach einem 300-Meter-Sprint sowie den beiden Läufen über 1500 und 3000 Metern war Patrick Naerger bei den Junioren B alleine auf weiter Flur. Bei den A-Junioren setzte sich Marc Alexander Roos vor Nico Albersmann durch. Alle drei kommen vom LC Solbad.
Die Juniorinnen konnten ihren Leistungsbeweis über 3000 Meter regenbedingt schon nicht mehr antreten. Bei den B-Juniorinnen siegte Catherina Immich (Kölner Roll-Möpse) souverän. Vor allem im 1500-Meter-Lauf zeigte sie ihre zukünftigen Ambitionen, als sie sich im Spurt noch vor Katharina Zeuner (ISC Münster) behauptete. Die Münsteranerin belegte letztlich bei den Juniorinnen A Platz zwei hinter Janina Naerger (LC Solbad).
In den Haupt- und Seniorenklassen kamen nur noch die männlichen Aktiven (18-29 Jahre) in den Genuss, alle drei Strecken absolvieren zu können. Andreas Beulertz behauptete sich dreimal vor seinem Bruder Markus (beide SV Westfalia Rhynern).
NRW-Landesmeisterin bei den Damen wurde Clarissa Gerber (LC Solbad) nach Siegen über 300 und 1500 Meter. Außer Konkurrenz hatte die zur Nationalmannschaft gehörende Franziska Neuling (RSV Gera) jeweils Bestzeiten vorgelegt.
Mit regenbedingt verkürztem Wettkampfprogramm Meister wurden weiterhin:
Seniorinnen AK30 – Elke Vogt (LC Solbad)
Seniorinnen AK40 – Manuela Azzolini (LC Solbad)
Seniorinnen AK50 – Dorothea Lorenz (LG Mönchengladbach)
Senioren AK30 – Florian Hanß (LC Solbad)
Senioren AK40 – Michael Striewe (SV Westfalia Rhynern)
Senioren AK50 – Reinhold Marsollek (BoSS 05 Bochum)
Senioren AK60 – Friedrich Ernst (Speedskater Düsseldorf)
Gänzlich ins Wasser fiel die Landesmeisterschaft im Teamfahren auf der Bahn.
Grundsätzlich ist eine Veranstaltung auf der Eisschnelllaufbahn in Grefrath eine sehr schöne Angelegenheit, und der RIV-NRW bedankt sich diesbezüglich auch beim Gastgeber EC Grefrath und seinem Kooperationspartner BoSS 05 Bochum.
Über die möglichen Synergieeffekte informierte sich auch Harro Strucksberg, der neue Präsident des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbands. Erstmals war ein Spitzenrepräsentant des DRIV bei einer NRW-Meisterschaft zu Gast. Mehr als zwei Stunden lang führte Harro Strucksberg viele Informationsgespräche. Eine solche Aufmerksamkeit durch den Spitzenrepräsentanten des DRIV hat die Fachsparte Speedskaten seit Jahren nicht mehr erfahren. Danke, Harro!