Wer am Morgen des 28. Juli ins Eisschnellaufzentrum nach Grefrath kam, weil an
diesem Tage dort die 5. Etappe des WSC2007 ausgefahren und auch die
Landesmeister über 10000 Meter (Bahn) ermittelt werden sollten, der musste
zunächst befürchten, am Niederrhein seien alle Dämme gebrochen und die Flut
sei übergeschwappt. Kurzum: Das Betonoval stand unter Wasser.
Nun können Speedskater durchaus anpacken. Also wurden die Wasserlachen mit
großen Schiebern von der Piste gefegt. Doch kaum schien Land in Sicht, fiel
die nächste Wolke vom Himmel.
Ende der Veranstaltung? Nein! Wir haben ja im Rollsport- und Inline-Verband NRW
nicht nur Selbstbehauptungswillen, sondern auch Leute, die aus der Not geboren
schnell neue Lösungen finden.
Die Alternative zu einer drohenden Absage der Veranstaltung war, die geplanten
Aktivitäten so umzumodeln, dass für die Sportler immer noch ein attraktives
Programm übrig blieb. Natürlich kann man auf einer Eishockeyfläche keine
10000-Meter-Landesmeisterschaft mehr ausrichten, ohne einen totalen Drehwurm zu
bekommen. Aber 5000 Meter reichten ja auch schon.
Danke an Daniel Pütter (Veranstalter) sowie John Gerhards (Wettkampfwesen im
RIV) und Dirk Hagemann mit seiner Schiedsrichter-Crew, dass sie unter den nicht
leichten Bedingungen noch ein sportlich absolut zufriedenstellendes
Alternativprogramm abgewickelt haben.
Kritik kam nur ganz selten auf. Nach allem, was in Grefrath zu hören war,
dürften die Äußerungen von Markus Faupel (ASC Duisburg) eher repräsentativ
sein: "Ich wollte sagen, dass dieses Short-Track unter dem Zeltdach echt Spaß
gemacht hat und mehr war als nur eine Notlösung. Anstatt zweimal im Jahr auf
die Großbahn zu gehen, halte ich 1x 400m Bahn (Grefrath), 1x200m Bahn
(Leverkusen oder Duisburg) und dann 1x Shorttrack für eine tolle Abwechslung
im Rennkalender. Es ist einfach enger, spannender, mehr Action. Und die
Anforderungen an Technik und Taktik sind höher. Und gut organisiert war es
auch."
Am Ende schien dann sogar noch die Sonne – Glück nach dem Unglück. So konnten
die WSC-Punkte für die Einzelwertung dann doch noch in zwei großen
LWO/LMO-Rennen vergeben werden. Und auch die Teams kamen noch auf dem großen
400-Meter-Oval zu ihrem Rennen – spät, aber nicht zu spät. Man war ja an
diesem Tag, an dem fast alles verloren schien und dann doch noch fast alles
gerettet wurde, durchaus zu Konzessionen bereit.
Nur die Landesmeisterschaften über 10000 Meter waren nicht zu retten. Der
Vorstand der Fachsparte Speedskaten im RIV-NRW fanden den Kompromiss: Urkunden
mit Hinweisen auf Meistertitel oder Treppchen-Platzierungen gab es nicht. Wer
sich in den Ersatzrennen über verkürzte Distanz jedoch durchgesetzt hatte,
bekam die für die LM vorgesehenen Medaillen und den Applaus der vielen
Sportler, die bis zum relativ späten Schluss der Veranstaltung ausgeharrt
hatten.
Danke an alle, die mit ihrer Geduld und Kompromissfähigkeit zur Rettung der 5.
WSC-Etappe beigetragen haben.
Schön wäre es jetzt, wenn alle auf der 6. WSC-Etappe am 2. September in
Langenfeld, dann am 9. September in Bielefeld und schließlich beim Finale am
16. September in Rheine für manche Regenenttäuschung der letzten Wochen mit
bestem Spätsommerwetter entschädigt würden.
Die Ergebnisse von Grefrath finden Sie hier , die aktualisierte Gesamtwertung hier .